Kammerorchester Esslingen

 

 

Startseite

Orchester

Musiker

Proben

Programm

Kontakt

 

 

Kaleidoskop der Klangfarben

 Von Rainer Kelmayer

Esslingen - Die virtuose Attitüde der romantischen Violoncello-Konzerte von Schumann, Dvorak oder Saint-Saens sucht man im Cellokonzert D-Dur von Joseph Haydn vergebens. Die Partitur des zweiten aus der Reihe der fünf Konzerte Hayd­ns bietet in seiner klassischen Ausprägung jedoch neben der unbeschwerten Spielfreude des Finales reichlich Empfindsamkeit im einleitenden Allegro und einen langsamen Satz mit bezaubernden Kantilenen.

Die junge Schweizer Cellistin Esther Saladin - sie studiert an der Stuttgarter Musikhochschule - hat sich mit dem Haydn-Konzert eine hohe Hürde gestellt. Nicht ohne Grund ist dieses Opus bei Orchesterproben die Nagelprobe für Aspiranten, kann man doch so ziemlich alles zeigen, was für die Beherrschung eines Streichinstrumentes nötig ist: ausgefeilte Bogentechnik, eine sauber greifende linke Hand und stilistisches Gefühl für Musik zwischen Tradition, Raffinesse und Emotion. Vom Kammerorchester Esslingen zuverlässig und transparent begleitet, meisterte Saladin den Solopart sehr achtbar. Sie spielte das Haydn-Konzert zum ersten Mal öffentlich, und sicherlich wird sich in puncto intonatorisches Feingefühl und technische Konstanz noch ein Reifeprozess herausbilden. Beim Publikum hatte die junge Solistin einen Bonus: Ein Teil der Zuhörer feierte ihr Spiel in der Aula der Hochschule geradezu frenetisch.

Eine ungewöhnliche, sehr reizvolle Konzerteröffnung hatte Dirigentin Caterina Centofante mit Jean Sibelius‘ „Valse Triste“ gewählt. Das Kammerorchester musizierte sauber und spannungsvoll, transportierte mit sensiblem Ton den morbiden Charme der Musik. Ein weiteres dramatisches Element brachte Felix Mendelssohn Bartholdys Hebriden-Ouvertüre ins Programm. Mendelssohn wurde 1829 zu dieser Tonmalerei inspiriert, schilderte in stimmungsvollen Bildern die schottische Landschaft und das Meer. Centofante ließ dynamisch sehr differenziert musizieren, bewegte sich zwischen geschmeidigen Wellengängen und Donnergrollen. Wenn auch nicht jedes Detail gelingen wollte, überzeugte doch der große Bogen und der engagierte Musiziergeist.

Voller Konzentration ging das Kammerorchester Peter I. Tschaikowskys vierte Suite „Mozartina“ an. Dieses Werk ist eine Referenz an den Salzburger Meister. Im Wesentlichen blieb jedoch der originale Notentext erhalten, diente als Gerüst für Tschaikowskys Bearbeitung. Von besonderem Reiz ist die Variationsfolge, die sich auf Mozarts Klaviervariationen über „Unser dummer Pöbel meint“ bezieht. Das Kammerorchester spürte der raffinierten Orchestrierung Tschaikowsky nach und ließ mit facettenreichem Spiel ein buntes Kaleidoskop der Klangfarben aufleuchten.

 

Artikel vom 10.xxx.20xx © Eßlinger Zeitung